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Wanderfahrt auf der Weichsel

Polen, vom 13. bis 21.05.2011 von Plock bis Danzig/Ostsee



Reiseteilnehmer:
Heide und Gernot Schaller, Hemma Fuchs, Sieglinde Eicher, Gerhard Peham, Wolfgang Düll, Christine Hubinger, Birgitt Pfaffenbauer, Gerhard Falkensammer, Peter Fleischmann, Helmar Hasenöhrl, Bernhard Follrich, Roland Köcher, Rudi Müller und Stefan Kaczmarski als „unser“ polnischer Reiseleiter.

Weichsel, Polen

Freitag 13. 05.: Nach gründlicher Organisation durch Gerhard Peham und Stefan ist es soweit. Noch am Vorabend haben wir die Boote auf dem Hänger verzurrt, die Busse geholt, und pünktlich um 6:00 Uhr fährt Bernd voraus, um unser Wiener Freunde abzuholen, und Gerhard steuert den „Führerbus“ mit dem Hänger über die Linzer Zwischenstation bis zur tschechischen Grenze, ab nun fahren wir meist im Konvoi. Das macht unseren Fahrern den fürwahr langen Weg und die Baustellenstaus etwas leichter, bis wir am späten Abend in Płock (sprich: Wozk!) eintreffen. Płock ist eine der ältesten Städte Polens (9. Jhd.), in der Woiwodschaft Masowien, war sogar eine Zeitlang Hauptstadt des Königreiches und bot uns neben dem beeindruckenden Schloss der masowischen Herzöge und der Marienkirchen eine reizvolle Altstadt.

Samstag 14. 05.: Die Sonne strahlt bereits am Morgen auf die langsam entschwindende Silhouette des Schlosses und begleitet uns einen schönen Rudertag, der durch ein stimmungsvolles Picknick mit Bratwurst „aufgefettet“ wird. Stefan hat dafür die Mannschaft eines Strandbuffets organisiert, und wir sind eine Attraktion für einige arbeitslose Kiebitze. Durch das reizvolle Płock verwöhnt, überrascht uns das nächstes Ziel, die ähnlich große und alte (11. Jhd.) Stadt Włocławek, deutsch auch Leslau genannt, mindestens ebenso sehr, mit ihrer mächtigen Kathedrale. Die Ruderstrecke zwischen den beiden Städten hat uns auf gesamter Länge über den einzigen Stausee auf der Weichsel geführt und wir legen an diesem Tag 47km zurück.

Sonntag 15. 05.: Stefan weiß, dass es auf der gesamten Strecke kein Gasthaus gibt, daher bekommen wir Jausenpakete. Schnaps und Thermoanzüge wären besser gewesen: Zunehmender Regen, Wind, Wellen und tückisch überspülte, nicht sichtbare Sandbänke. Jetzt erkennen wir endlich, wieso man Wanderrudern sagt…. . Rudi legt an diesem Tag bei widrigsten Bedingungen die Weichselschwimmprüfung ab, da er nach einem kleinen Ruderunfall von einer überspülten Bune zum Ufer schwimmen muss. Sieglinde ist froh (und Roland kaum weniger) für den Landdienst auf dieser Etappe, denn nach der herausfordernden und zunehmend kälter werdenden Zwischenetappe steigt ein Häuflein triefnasser und zähneklappernder Sportler in die Busse. Nur der eiserne Helmar und der zähe Rudi retten rudernd die Ehre der Gruppe bis zum heutigen Ziel, der berühmten historischen Stadt Torun aus dem 13. Jhd. (deutsch Thorn). In der ehemaligen Hansestadt hat uns Stefan ein Altstadthotel reserviert und wir können, nachdem sich das Wetter wieder etwas beruhigt hat, die wunderschöne und lebhafte Innenstadt mit dem Rathaus, dem Dambski-Palais, der Ordensburg hoch über der Weichsel und das Denkmal von Nikolaus Kopernikus genießen. Eine fachkundige Führung bringt uns die von deutschen Kaufleuten beeinflusste Geschichte von Thorn näher, und wir können später die am Nachmittag eingesparte Energie ausführlichen abendlichen Lokalrecherchen zuführen, und unseren Mägen etliche Biere. Tageskilometer 28 bzw. 62.

Montag 16. 05.: Auf dem hervorragenden Liegeplatz beim Ruderclub von Torun wartet frühmorgens bereits ein Spezialist auf die Reparatur eines Auslegers, und danach setzen wir wieder die Boote ein und die imposante Silhouette von Torun entschwindet unseren Blicken. Bei trockenem Wetter, nach einigem Gegenwind und einem guten Rudertag entscheidet Gerhard Peham spontan, anstatt des anvisierten Ziels hinter einer Schleuse im Stadthafen von Bydgoszcz (Bromberg), eine bequeme Wiese stromabwärts kurz vor der einzigen Weichselbrücke anzusteuern. Womit wir alle nicht gerechnet hatten – die Stadt ist ein Wirrwarr von Straßen, Kanälen und Zuflüssen, welche die Nerven unserer heutigen Landdienstler Rudi und Heidi, und deren Zeit unseren neuen Platz zu finden, gehörig dehnen. Dafür trösten wir uns abends mit Wein vom nahen Supermarkt. Tageskilometer: 38

Dienstag 17. 05.: In der Früh war der Platz rasch gefunden, die Boote sind gut gelegen, und wir rudern bei schönen Gewitterwolken, manchmal wunderbarem Rückenwind und gutem Wasser zunächst bis zum Weichselufer in die Nähe von Chełno (Kulm), wo uns Gerhard Falkensammer bereits erwartet, um uns zur historischen Altstadt oben am Bergrücken zu führen. Nach einer angenehmen Mittagspause bei Frikadellen mit Salat und einem kurzen Rundgang durch die Altstadt eilen wir wieder zu unseren Booten. Unser abendliches Ziel nach einem weiteren guten Halbtag ist das Bootshaus des Ruderklubs „Wisła“ in Grudziądz (Graudenz), und entgegen der Annahmen der heimischen Ruderer kurven wir elegant in die strömungstechnisch etwas anspruchsvolle Einfahrt. Ein abendlicher Bummel und die Beschreibungen von Stefan bringen uns die wechselvolle Geschichte der alten Handelsstadt näher. Tageskilometer 61

Mittwoch 18. 05.: Erst die Abfahrt zeigt uns die flussabwärts besonders prächtige Kulisse der ehemals mächtigen Getreidespeicher und Barockbauten von Grudziądz. Ein weiterer guter Rudertag, wir umkurven (fast immer) elegant weitere Sandbänke, jausnen irgendwo am Ufer und am Abend ragt plötzlich auf einer Anhöhe die mächtige Deutschordensburg von Gniew auf – übrigens die größte Burg des Ordens westlich der Weichsel. Nachdem wir bei einem beschaulichen Rundgang die pittoreske Kleinstadt Gniew genossen haben, fühlen wir uns im pittoresken Barockschloß „Pałac Marysieńki“ bei einem festlichen Abendessen und ausreichend Wein wie der einstige Bauherr König Johann III Sobieski. Vielleicht hat mancher danach von den Geistern geträumt, die man laut Prospekt in der benachbarten Burg erleben kann. Tageskilometer 42

Donnerstag 19. 05.: Der von Stefan bestellte Bootswächter erwartet uns am Ufer, rasch entschwindet die liebliche Silhouette unseres Quartiers, und uns erwartet ein besonders sonniger Rudertag. Wir nützen die Wärme für eine Mittagspause im kaschubischen Tczew (Dischau) in einem netten Ufer- Restaurant mit Blick auf die historische Brücke für die alte Reichsstraße nach Danzig. Die weitere Fahrt bringt uns zum nächsten Anlegeplatz, schon in Pommern, wo wir die Boote am einsamen Ufer lassen und in unser Hotel „Dyrwa“ in Dworek eilen. Denn wir haben einen weiteren historischen Höhepunkt vor uns, die nahe gelegene Malbork (Marienburg), der größte Backsteinbau Europas, gleichzeitig die bedeutendste Burganlage der Deutschordensritter, Sitz der Hochmeister und damit das Haupthaus des Ordensstaates und auch zeitweise Sitz der polnischen Könige. Die Burg war zum Ende des 2. Weltkrieges stark zerstört, ist jedoch aufgrund ihrer historischen Bedeutung wieder weitgehend restauriert worden, worüber ein interessantes Museum informiert, und inzwischen zum Weltkulturerbe erklärt. Tageskilometer 52

Freitag 20. 05.: Am letzten Rudertag zweigen wir bei km 935,5 vom Hauptstrom der Weichsel in die Motlau (ein Altarm) ab und erreichen über eine Schleuse das fast stehende Gewässer. Nun ruft uns schon die Ostsee und wir rudern über einen Mündungsarm der Moltau ein kurzes Stück ins Meer hinaus und können so den Strand bewundern - eine grandiose Impression! Danach geht es wieder zurück flussaufwärts an Raffinerie und der legendären Danziger Werft vorbei bis zum Gelände des „Gdański Klub Wioslarski“, wo wir einen guten Ausstieg vorfinden und eine ebenso gute Gelegenheit, unsere Boote zu waschen und zu verladen. Marek und Beata – (als 13-fache polnische Staatsmeisterin kennt Helmar sie natürlich…) zeigen uns die modernen Fitnessräume des Klubs. Das gleiche Problem wie anderswo – die Jungen wollen kaum Rudern, jedoch das Fitness- Studio quillt über - ein Weg zum Nachwuchs? Danach geht’s rasch zum modernen Novotel, damit wir den kulturellen Schlusspunkt unserer Wanderfahrt genießen können, eine Führung durch die ehemalige Hansestadt Danzig. Die 1000 – jährige Stadt wurde (übrigens durch die Rote Armee) gegen Ende des 2. Weltkrieges zum Großteil zerstört, jedoch durch großen Einsatz sowohl der Polen als auch der übrigen Welt wieder historisch getreu aufgebaut. Danzig ist eine der größten Städte an der Ostsee, mit einer wechselvollen Geschichte, mit Industrie und Werften (wo der Aufstand der Solidarnosc gegen die Kommunisten begann) und mit 10 Hochschulen. Die Innenstadt ist so schön, dass viele nach dem gepflegten Abendessen nochmals zum Langen Markt, zum Krantor und zur Marienkirche drehen. Tageskilometer 32

Samstag 21. 05.: Pünktlich um 6:00 Uhr brechen wir auf zum langen Rückweg, Gerhard und Bernd schaffen – unterbrochen durch wenige Pausen – in 16 Stunden die Heimfahrt nach einer wunderschönen Woche, die uns in Erinnerung bleiben wird.

Gesamtkilometer: 300 bzw.333




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